Raus aus fossilem Gas – aber wie?
Biogas aus dem Tullnerfeld möglich
Die letzten beiden Jahre haben uns schmerzlich gezeigt dass die Abhängigkeit von fossilem Gas nicht nur klimaschutzmäßig bedenklich ist – davor warnen Wissenschaftler seit Jahren, sondern auch hohe ökonomische Risiken in sich birgt, wenn man sich für die Gaslieferungen in die Hände unberechenbarer und machthungriger Potentaten begibt.
Das Gesetz über die Einführung einer Versorgerverpflichtung für Gas aus erneuerbaren Quellen (Erneuerbares-Gas-Gesetz – EGG) liegt seit Februar 2023 als Ministerialentwurf , ausgearbeitet vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie vor. Leider ist es bisher – wie bei einigen anderen klimarelevanten Gesetzesmaterien auch – Stichwort Klimaschutzgesetz bislang zu keiner Einigung mit dem Koalitionspartner ÖVP gekommen, der seit dem Frühjahr lieber im Wahlkampfmodus arbeitet und da wird den Grünen kein Millimeter Erfolg gegönnt. Aber trotzdem bleibt zu hoffen, dass zumindest im Herbst die konstruktive Vernunft wieder einkehrt, zumal dieses Gesetz von Biogaserzeugern und auch Energiewirtschaft durchaus positiv aufgenommen wird.
Worum geht es da eigentlich?
Es geht um die Sicherstellung der Versorgungssicherheit mit Gas und die Erhöhung des Anteils von erneuerbarem Gas am österreichischen Gasabsatz bis zum Jahr 2030 auf 7,5 TWh. Das wäre so ca. der Gasverbrauch für Heizen und Warmwasser von etwa 500.000 Haushalten in Österreich.
2021 wurden in Österreich knapp 84 TWh Erdgas verbraucht, das fast zur Gänze aus fossilen Quellen stammte. Die Einsatzgebiete verteilen sich auf Industrie, Kraft- und Heizwerke sowie Dienstleistungen und Haushalte. Während der Verbrauch in der Industrie, die den größten Anteil des Erdgas verbraucht, über das Jahr gesehen relativ konstant bleibt, gibt es in anderen Sektoren saisonale Schwankungen. In den Wintermonaten ist der Gasbedarf aufgrund der Wärmeversorgung beinahe drei Mal so hoch wie in den Sommermonaten, zudem wird im Sommer mehr Strom aus Wasserkraft produziert und weniger aus Gaskraftwerken.
Der Anteil an Biogas war und ist weiterhin verschwindend gering, obwohl bis zu 50 % des benötigten Gas aus erneuerbaren Quellen stammen könnte.
“Klimaneutralität 2040 geht nur, wenn auch unser Gasnetz eine Energiewende erlebt. Diese kann sich nur erneuerbar und nachhaltig gestalten. Und dazu braucht es dieses Gesetz!” So Norbert Hummel, Biogas-Obmann Kompost & Biogas Verband in einer Presserklärung im Mai 2023, wo er die weiterhin verschobene Verabschiedung des EGG kritisiert.
Woraus kann Biogas erzeugt werden?
Alleine in Niederösterreich gibt es mehr als 50 Unternehmen , die Biogas erzeugen. Kernstück einer Biogasanlage ist der Fermenter (Gärbehälter). In dem werden die zugeführten Stoffe von Bakterien abgebaut und zu Biogas umgebaut. Als Inputstoff wird dem Fermenter Gülle aus der Tierhaltung zugeführt. Um die Gasausbeute zu steigern, können dem Gärprozess noch weitere energiereiche Stoffe wie Mais, Sonnenblume, Gras oder Abfälle aus der Lebensmittelindustrie zugegeben werden.
Das erzeugte Biogas wird gespeichert und kann in einem Blockheizkraftwerk energetisch verwertet oder mittels Verbrennung zu Strom umgewandelt werden. Die entstehende Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk wird zum Aufheizen des Gärbehälters, zum Heizen von Gebäuden oder in anderen Projekten genutzt. Neben der Verbrennung des erzeugten Biogases besteht aber auch die Möglichkeit das produzierte Biogas auf Erdgasqualität aufzubereiten. Ist dies geschehen, kann das Biogas als Kraftstoff und/oder als Erdgassubstitut genutzt werden. Das ausgefaulte und vergorene Material wird anschließend auf landwirtschaftlichen Flächen als wertvoller organischer Mehrnährstoffdünger ausgebracht.
Wie könnte eine Biogaserzeugung bei uns im Tullnerfeld ausschauen?
Da das Tullnerfeld eine intensiv landwirtschaftlich genutzte Region ist, bietet sich eine intensivierte Erzeugung von Biogas geradezu an. Bislang haben wirtschaftliche Überlegungen aufgrund des bislang billig verfügbaren fossilen Gases dagegen gesprochen. Damit ist es aber vorbei. Jetzt heißt es die Dinge neu denken und dafür braucht es einen Startschuss und Hilfe bei der Koordination der Landwirte, Lebensmittelindustrie und Schlachthäuser, den Aufbau einer Sammel- und Speicherlogistik und nicht zuletzt einen Anlagenstandort für eine Regionale Biogasanlage Tullnerfeld, vielleicht auch in Kooperation mit einem Industriestandort, der Gas benötigt.