Gemeindeführung kündigt den Perchtoldsdorfer Ortsbus
Es ist eingetreten, wovor wir Grüne gewarnt haben: Die Koalition aus ÖVP und NEOS hat Nägel mit Köpfen gemacht und den Vertrag für den Ortsbus offiziell gekündigt, ohne ein Konzept für danach zu haben. Für Perchtoldsdorf ist das ein verkehrspolitischer Tiefpunkt und ein schwerer Schlag für alle Bürger_innen, die auf ein verlässliches, öffentliches Angebot angewiesen sind.
Trotz zahlreicher Proteste und klarer Argumente aus der Bevölkerung hat die Gemeindeführung rund um Bürgermeisterin Andrea Kö (ÖVP) und Vizebürgermeister Tony Platt (NEOS) den Rotstift beim Ortsbus angesetzt. Ein bewährtes Stück Lebensqualität wird damit einfach weggespart.
Ein sozialer Kahlschlag auf dem Rücken der Schwächsten
Die Leidtragenden dieser Entscheidung stehen fest: Es sind jene rund 100 Fahrgäste, die den Bus tagtäglich genutzt haben.
- Seniorinnen und Senioren, die nun ein großes Stück ihrer mühsam bewahrten Unabhängigkeit im Alltag verlieren.
- Schulkinder und Jugendliche, deren sichere Wege durch den Ort nun komplizierter werden.
- Alle Haushalte ohne eigenes Auto, für die Alltagswege zum Arzt oder zum Einkauf jetzt zur logistischen und finanziellen Herausforderung werden.
Das Argument, diese Lücke einfach durch Taxis zu schließen, hinkt gewaltig. Taxis sind Individualverkehr. Sie können weder die sozialen Tarife eines Linienbusses ersetzen, noch sind sie für den täglichen Gebrauch für die Mehrheit der Betroffenen leistbar. Zudem kann der Zuschuss für mobilitätseingeschränkte Personen, der sich auf 500€ pro Person pro Jahr beläuft, niemals als Alternative zu einem Ortsbus oder gar als ausgleichende und damit ausreichende Maßnahme für Betroffene betrachtet werden.
Klimaschutz? In Perchtoldsdorf leider abgemeldet
In Zeiten der Klimakrise ein funktionierendes, öffentliches Nahverkehrsangebot ersatzlos zu streichen, ist ein klimapolitischer Offenbarungseid. Die täglich knapp 100 Fahrten lösen sich schließlich nicht in Luft auf. Sie verlagern sich zurück auf die Straße – als Einzelfahrten mit dem Auto oder dem Taxi. Das Ergebnis: Mehr Verkehr, mehr Abgase und mehr Lärm in unseren engen Gassen.
Mobilität ist Daseinsvorsorge, kein Sparposten
Wir Grüne bleiben bei unserer Überzeugung: Öffentlicher Verkehr darf nicht rein nach betriebswirtschaftlichen Kriterien bewertet werden. Die Gemeinde hat die Pflicht, die Mobilität aller Gemeindebürger_innen zu sichern – unabhängig von Alter, Einkommen oder Autobesitz. Den Ortsbus sterben zu lassen, ist ein Rückzug aus der sozialen Verantwortung.
Billiges Ablenkungsmanöver statt eigener Verantwortung
In den Medien versucht Vizebürgermeister Tony Platt nun, den Grünen die Schuld an der Misere in die Schuhe zu schieben. Er verweist auf notwendige Fahrplananpassungen aus dem Jahr 2022 unter dem damaligen grünen Verkehrsreferenten Christian Apl.
Dazu stellen wir unmissverständlich klar: Damals ging es mitten in einer schweren Wirtschaftskrise darum, das Angebot mit Augenmaß finanziell zu stabilisieren, um den Ortsbus für die Perchtoldsdorfer_innen zu sichern. Die Grünen haben optimiert, um zu erhalten. Die aktuelle ÖVP-NEOS-Koalition hingegen kapituliert vor der Gestaltungsaufgabe und zerstört das Angebot nun endgültig.
Wer im Jahr 2026 die politische Verantwortung und die Mehrheit im Gemeinderat trägt, kann sich bei einer so weitreichenden Fehlentscheidung nicht hinter Ausreden aus der Vergangenheit verstecken. Die Kündigung des Vertrages ist und bleibt die Handschrift von ÖVP und NEOS.
Wie geht es weiter? Wir bleiben dran!
Die Kündigung des Vertrages ist ein schwerer Rückschlag, aber für uns kein Grund zu schweigen. Wir Grüne Perchtoldsdorf werden im Gemeinderat weiterhin lautstark einfordern, dass Mobilität für alle leistbar und zugänglich bleiben muss. Wir werden die Gemeindeführung genau daran messen, welche (hoffentlich vorhandenen) Alternativkonzepte sie nun vorlegt, um das entstandene Mobilitätsloch zu stopfen.
Was halten Sie von der endgültigen Kündigung des Ortsbusses? Wie betrifft Sie das Aus im Alltag? Schreiben Sie uns Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen an [email protected] – wir nehmen Ihre Stimmen mit in die politischen Debatten!