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27.03.2026 Gemeinde-News

TUNNELBLICK ASFINAG-Märchen Nummer 1

Die ASFINAG und ihre Prognose zur Verkehrsentwicklung

Der Baubeginn der Nordostumfahrung der S1 steht bevor. Grünes Licht gibt es vorerst nur für den Abschnitt Groß-Enzersdorf bis Süßenbrunn.  Für den Lobautunnel sind noch Verfahren anhängig. Viel wurde der betroffenen Bevölkerung versprochen, aber es fehlt ein “klarer Blick” auf die Realität. Und das sowohl was die Annahmen als auch was die Erwartungen betrifft.

 

Der Bau der Lobauautobahn soll laut ASFINAG 2,8 Milliarden Euro kosten (Stand 2024). Die Vorbereitungsarbeiten für den Abschnitt von Süßenbrunn nach Groß-Enzersdorf laufen bereits. Die ASFINAG veranschlagt dafür 500 Millionen Euro. Dabei ist rechtlich noch nicht geklärt, ob der Lobautunnel – das Herzstück des Projektes – tatsächlich gebaut werden darf.

 

Die ASFINAG schürt seit Langem völlig überzogene Erwartungen an den Tunnel, als die alleinige Lösung für unsere Verkehrsprobleme. Sie begründet die Notwendigkeit zu Bauen mit der Verkehrsentwicklung – die Zahlen würden für sich sprechen. Laut ihrer Prognose sollten 2025 täglich 30.000 Fahrzeuge durch Essling fahren. Tatsächlich sind letztes Jahr in Essling nur etwa 17.000 gezählt worden.

 

„Der Lobautunnel ist nicht mehr zeitgemäß, umso mehr als der Tunnel frühestens im Jahr 2040 fertig sein kann und bis dahin die Mobilität – so die Ziele der Stadt Wien und der Bundesregierung – noch stärker mit öffentlichen Verkehrsmitteln, (Elektro-)Fahrrad und Sharing-Mobility stattfinden soll“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

 

Im Jahr 1993 wurden noch 40 Prozent der Alltagswege von der Wiener Bevölkerung mit dem Auto zurückgelegt. Jetzt sind es weniger als 25 Prozent. Grund dafür ist der massive Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Es ist einfach bequemer und schneller öffentlich zu fahren. Außerdem spart man Nerven und Geld! Aktuell hat in Wien nur mehr jeder zweite Haushalt ein Auto. In Regionen mit schlechter öffentlicher Anbinddung besitzt ein Haushalt im Durchschnitt 1,5 Autos.

 

Wien will den Autoverkehr bis 2030 um 45% reduzieren. Das wären rund 80.000 Fahrzeuge auf der Tangente weniger. Man könnte sich fragen: Wozu braucht es dann noch die Lobauautobahn? Man will den gesamten LKW-Verkehr durch den Lobautunnel leiten und spricht offen von einem LKW-Fahrverbot auf der Tangente. Der S1-Ausbau wird auch für eine Zunahme des Verkehrsaufkommens sorgen. Davon sind alle Experten überzeugt. Denn es gibt auch das Phänomen des „Induzierten Verkehrs“ –  das Angebot bestimmt die Nachfrage.

 

Werden Radwege gebaut, fahren die Menschen mehr mit dem Rad. Gleiches gilt auch für Straßen. Die Nordostumfahrung wird den Speckgürtel und somit die Zahl der Pendler anwachsen lassen. Im Umland werden zum Beispiel kleine Strukturen im Handel durch große Einkaufszentren ersetzt. Diese sind dann schlecht mit den Öffis zu erreichen und meist garnicht mit dem Rad oder zu Fuß. Das heißt man fährt erst recht wieder mit dem Auto. Diese Verkehrsplanung führt also zu Zwangsmobilität und noch mehr Autoabhängigkeit. Die SCS in Vösendorf ist hier ein Paradebeispiel. Nach einer kurzen Entspannung, wird die „Lobauautobahn“ also wieder genauso voll sein, wie die A23 und man wird dort im Stau stehen.

 

Der Lobautunnel ist ein Projekt aus dem vergangenen Jahrhundert. Die Pläne dafür reichen zurück in die 90er Jahre. In den vergangenen 30 Jahren hat sich aber viel verändert. Es gibt Alternativen zum Lobautunnel, aber darüber wird viel zu wenig geredet. Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel würde das Mobilitätsangebot für die Bevölkerung erheblich verbessern und gleichzeitig die negativen Auswirkungen durch Lärm, Schadstoffe und Bodenverbrauch reduzieren. Und das würde weniger kosten und wäre nachhaltig!