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23.03.2026 Gemeinde-News

Kulturkonzeption: Gute Bestandsaufnahme, aber ohne Vision

Grüne Baden zur Kulturkonzeption: Gute Bestandsaufnahme, aber ohne Vision für die Kulturstadt Baden

Baden ist eine Kulturstadt – daran besteht kein Zweifel. Kultur prägt die Identität der Stadt, schafft Lebensqualität und ist zugleich ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. Doch dieser Status ist keine Selbstverständlichkeit. Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es eine klare Strategie, um die kulturelle Vielfalt Badens langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln.

Die nun präsentierte Kulturkonzeption der Stadt Baden liefert zwar eine wertvolle Bestandsaufnahme, zeigt aber vor allem eines deutlich: Im kulturellen Bereich gibt es zahlreiche Baustellen. Renovierungen und Modernisierungen sind dringend notwendig, ebenso Investitionen in Digitalisierung und zeitgemäße Infrastruktur.

„Dass die ÖVP-Baden nach jahrzehntelanger Zuständigkeit für den Kulturbereich die Expertise eines externen Kulturstrategen aus Vorarlberg benötigt, um den Ist-Zustand zu erheben und ein strategisches Konzept abzuleiten, ist bemerkenswert – und zugleich ein Eingeständnis, dass es offenbar an eigener kulturpolitischer Vision fehlt“, so GR Eva Freistetter.

Grüne Baden brachten als einzige Partei ein eigenes Kulturkonzept ein

Bereits in der Analysephase haben die Grünen Baden, als einzige politische Partei, aktiv ihr eigenes Kulturkonzept 2025–2030 eingebracht. In einer eigenen Klausur wurde auf Basis der Geschichte der Stadt ein Zukunftsbild für das kulturelle Leben in Baden entwickelt.

Viele zentrale Punkte daraus finden sich nun auch in den präsentierten Leitgedanken wieder, wie die Renovierung des Hauses der Kunst, die Modernisierung des Theaters am Steg und die Weiterentwicklung der Halle B als multifunktionaler Veranstaltungsraum. Auch die Schaffung einer Geschäftsgruppe Kultur, um Ressourcen besser zu bündeln wurde aufgegriffen.

„Dass zentrale Kulturgebäude wie das Theater am Steg in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand sind und etwa das Haus der Kunst barrierefrei gemacht werden muss, ist keine neue Erkenntnis. Die Grünen Baden haben seit Jahren in den Budgetverhandlungen genau auf diese Missstände hingewiesen und konkrete Budgetmittel vorgeschlagen – diese wurden jedoch regelmäßig von der ÖVP abgelehnt.“, führt Eva Freistetter weiter aus.

„Uns Grünen Baden ist die Kultur in Baden seit jeher ein großes Anliegen. Wir waren es etwa, die als einzige Partei das Arnulf-Rainer-Museum mitgetragen haben. Auch Vorzeigeprojekte mit großem Potenzial, wie die Sommerarena Baden, in der heute Künstler wie Philipp Hochmair oder Lars Eidinger auftreten, tragen noch immer eine klare grüne Handschrift aus unserer Zeit in Regierungsverantwortung.“, ergänzt GR Helga Krismer.

Viele richtige Befunde – aber kein Leitbild, keine Prioritäten, keine Vision

In vielen Punkten kommen die vorgelegten Leitgedanken zu ähnlichen Schlüssen, wie das Konzept der Grünen Baden: Investitionen sind notwendig, großes Potenzial ist vorhanden, es braucht eine Digitalisierungsstrategie und Synergien müssen geschaffen werden.

Ohne Prioritäten, konkrete Maßnahmen und nachvollziehbare nächste Schritte droht das Konzept im Klein-Klein stecken zu bleiben. Statt eines mutigen Zukunftsplans bleibt es bei einer Sammlung von Analysen, Optionen und weiteren Prüfaufträgen.

„Ein Kulturkonzept braucht eine Vision. Es braucht ein klares Zielbild, wie Baden in Zukunft kulturell wahrgenommen werden soll. Es muss Innovation beinhalten – und leider fehlt der ÖVP hier jener Mut, der auch in der Vergangenheit oft gefehlt hat, um neue Projekte und neue Impulse zu setzen.“

Zu wenig Mut für neue Impulse

Aus Sicht der Grünen Baden fehlen vor allem mutige, zukunftsorientierte Ideen:

  • eine stärkere Förderung junger Kunstschaffender,
  • innovative Projekte wie eine engere Zusammenarbeit mit der Filmbranche

Besonders kritisch sehen die Grünen, dass wichtige Zukunftsthemen im Konzept kaum oder gar nicht vorkommen. Es gibt kein feministisches Kulturkonzept und die Beerdigung des Zentrums für Kunst und feministische Forschung findet unter der Jeitler-Cincelli-Regierung  gerade statt.

Kultur für die Badenerinnen und Badener wurde zu lange vernachlässigt

Jene Kultureinrichtungen, in denen sich die Badener Bevölkerung direkt einbringen kann und die von den Menschen in der Stadt besonders stark genutzt werden, wurden in den vergangenen Jahren aus Sicht der Grünen sträflich vernachlässigt.

Akute Dringlichkeit bei den Kurkonzerten

Besonders problematisch ist aus Sicht der Grünen Baden, dass die Erstellung der Leitgedanken viel Zeit in Anspruch genommen hat, während Baden sich nun eigentlich bereits in der konkreten Planung und Umsetzung der kommenden Kultursaison befinden müsste.

Ein zentrales Beispiel dafür sind die Kurkonzerte. Durch die Auflösung des Badner Orchesters und die damit verbundene Unsicherheit ist es offensichtlich, dass die Kurkonzerte in ihrer bisherigen Form nicht mehr stattfinden werden. Im zuständigen Ausschuss wurde auf Nachfrage lediglich darauf verwiesen, dass man die Entscheidung der Niederösterreichischen Kulturwirtschaft (NÖKU) im Mai abwarten wolle.
Helga Krismer weiß direkt aus dem Land: „Die Kurkonzerte sind kein Thema mehr, weil Jeitler-Cincelli sie abgesagt hatte. Richtig ist, dass an der Fusion von Orchester Bühne Baden und Tonkünstler bis zu Sommerferienbeginn gearbeitet wird. Leider hat die Jeitler-Cincelli-Regierung keine Beschlüsse im Gemeinderat beschlossen für den Erhalt des Orchesters. Das doppelte Spiel von Jeitler-Cincelli ist aufgeflogen.“

Kurkonzerte neu: „Sommerkonzerten im Pavillon“

Wie die ÖVP weiß, haben sich die Grünen Baden bereits mit der Sanierung des Pavillons im Kurpark für eine Erweiterung des Angebotes zu den Kurkonzerten zwischen Tourismusdirektion und Kulturabteilung eingesetzt. Es lag auch schon ein Konzept vor. Das muss jetzt zur Rettung des Sommers 2026 vorangetrieben werden:“ Mit den „Sommerkonzerten im Pavillon“ haben sich die Grünen schon bei der Sanierung des Pavillons dafür ausgesprochen, diesen auch entsprechend zu bespielen, neue Genres wie Pop oder Jazz einzubinden und damit auch ein jüngeres und breiteres Publikum anzusprechen.“

Fazit: Baden braucht eine Kulturkonzept statt bloßer Leitgedanken

Die vorgelegten Leitgedanken sind ein erster Schritt und enthalten einige richtige Befunde. Doch sie ersetzen kein echtes Kulturkonzept. Es fehlt an dieser Stelle an einem klaren Leitbild, einer langfristigen Zielvision, konkreten Maßnahmen (statt Empfehlungen), budgetären Prioritäten, und dem Mut, Baden als Kulturstadt aktiv weiterzuentwickeln.

„Baden braucht nicht nur Leitgedanken, sondern einen echten Leitfaden für die Zukunft seiner Kultur. Es braucht Mut, Innovation und eine klare Richtung. Nur so kann Baden auch in Zukunft Kulturstadt bleiben.“, resümiert Eva Freistetter und ergänzt: „Mit dem unkoordinierten Vorpreschen in der Grabengasse als Reaktion auf den Umbau der Sparkassa ohne Dialog im Rathaus, ist das chaotische und impulsive Vorgehen der Jeitler-Cincelli-Regierung um eine Aktion reicher. Oder man kann auch formulieren: Es gibt so wenig Zukunftsbild für Baden, dass auf die Projekte aus der Zeit von Stefan Sziruscek zurückgegriffen wird.“

Stefan Eitler

Stadtrat

Vorsitzender Ausschuss für Sport

[email protected]
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