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12.12.2022 Pressemitteilung

Holz-Kraftwerk in Tullner Au unökologisch!

Grüne Tulln stehen geplanten Holz-Kraftwerk in der Tullner Au kritisch gegenüber

Die Stadtgemeinde Tulln soll nach den vom Bürgermeister vorgelegten Plänen zur Energie- und Wärmegewinnung sowie zur Klärschlammtrocknung ein Heizwerk um EUR 7 Mio. errichten, das (Holz-)Hackschnitzel verbrennen soll. Als Umweltgemeinderat habe ich dazu eine Empfehlung an die Gemeindeorgane abgegeben. Zuerst noch kurz zum Stand der Wissenschaft bezüglich solcher Anlagen.

 

Stromerzeugung durch Holzverbrennung ist nicht nachhaltig

Vergangenen Februar haben über 500 Wissenschaftler:innen die Europäische Union und die USA aufgefordert, auf die Verbrennung von Holz zur Energiegewinnung zu verzichten. Dies gefährde Klima- und Artenschutzziele, hieß es im offenen Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Joe Biden. Zu den Unterzeichnern gehören neben Forscher:innen von Harvard, Stanford und der Universität Oxford auch sechs Wissenschaftler:innen aus Österreich.

„Die Europäische Union muss damit aufhören, das Verbrennen von Biomasse in ihren Standards für erneuerbare Energien als klimaneutral zu behandeln”, verlangten die Forscher:innen. Regierungen müssten entsprechend Subventionen und andere Anreize für eine Energiegewinnung durch Holz abschaffen. Auch das vorliegende Projekt soll mit EUR 1,5 Mio. gefördert werden. Folgende Passage ist für mich dabei besonders hervorgestochen: “Bäume sind wertvoller, wenn sie lebendig sind, als wenn sie tot sind. Ihre Regierungen sollten daran arbeiten, die Wälder zu schützen und wiederaufzuforsten anstatt sie zu verbrennen.“ Es sollten daher nur Holzreste verbrannt werden, die keinem anderen Nutzen zugeführt werden können.

In den vergangenen Jahren sind aber ganze Bäume oder große Teile des Stammholzes zur Energiegewinnung genutzt und so Kohlenstoff freigesetzt worden, der sonst in Wäldern gespeichert worden wäre. Dies durch Wiederaufforstung auszugleichen kostet Zeit, die die Welt nicht hat, um den Klimawandel aufzuhalten – selbst wenn fossile Energieträger wie Kohle, Öl oder Gas mit Energie aus Holz ersetzt würden. Die Kritik betraf daher die Tatsache, dass die Forstwirtschaft oft nicht nachhaltig ist und gerade die Verbrennung von Holz zur Energiegewinnung den Druck auf die Wälder erhöht.

 

Die Menge des in Wäldern gebundenen CO2 sinkt

Laut dem Forst-Informationssystem der EU ist die Menge des in EU-Wäldern gespeicherten Kohlenstoffs zwischen 2015 und 2020 um 4,3% gesunken. Im Ergebnis wird daher weniger CO2 in Wäldern gespeichert. Treiber dieser intensiven Abholzung ist vor allem die Energiegewinnung durch die Verbrennung von Holz. Die Stadtgemeinde Tulln darf sich nicht mitschuldig an der gut dokumentierten und weiterhin bestehenden, rechtswidrigen Abholzung europäischer Wälder machen. Das Holz wird oft illegal, zum Teil auch in Nationalparks, geschlägert, mit legalem Holz vermischt und dann auf den Markt gebracht. Mehrere alteingesessene österreichischen Unternehmen waren daran beteiligt und wurden mit Millionenstrafen belegt. Sofern die Anlage tatsächlich in Betrieb gehen sollte, wäre es essentiell, ausschließlich regionales und nachhaltiges Holz bzw. Hackschnitzel zu verbrennen.

 

Die Anzahl der Bäume sinkt auch in Österreich

Natürliche Wälder sind auf nur 2,9 % der österreichischen Waldfläche zu finden. 75% der Fläche sind dagegen als nicht-naturnahe zu qualifizieren. Die Österreichische Waldinventur belegt zwar, dass die Waldfläche stetig steigt. Seit 1961 hat die Fläche um rund 330.000 Hektar zugenommen. Aber: 2019 wurde eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass die mit Bäumen überschirmte Fläche seit drei Jahrzehnten abnimmt. Wie passen diese beide Aussagen nun zusammen? Waldflächen, also jene Gebiete, die als Wald (laut Forstgesetz) gelten, sind nicht zwangsläufig lückenlos von Bäumen bedeckt. Denn bei der Nutzung von Holz bleiben meist offene Flächen zurück und auch Holzlagerplätze oder Forststraßen zählen zur Waldfläche. Der durchschnittliche österreichische Forst besteht daher heutzutage aus einer Monokultur an gleich alten Bäumen, speichert weniger CO2 als ein natürlicher Wald und ist gegenüber negativen natürlichen Einflüssen deutlich anfälliger. Wenn die Stadtgemeinde Tulln also Holz auf dem freien Markt erwirbt, kann weder ausgeschlossen werden, dass Holz aus illegaler Schlägerung erworben wird noch, dass die Hackschnitzel nicht aus wertvollen ganzen Stämmen stammen.

 

Totholz ist wichtig für den Wald

Selbst falls das gewährleistet wäre, ist geplant, neben Sägeabfällen auch Totholz zu verbrennen. Dieses ist aber wichtig und soll auch im Wald bleiben. Stirbt ein Baum ab, ist er immer noch von hoher Bedeutung für den Wald. Totholz liefert organisches Material, Nährstoffe und Substrat für Regeneration und fördert die Naturverjüngung. Außerdem dient es als wichtiger Wasserspeicher und spielt so für den Wasserhaushalt des Waldes eine große Rolle. Totholz bietet unzähligen Tier- & Insektenarten einen Lebensraum. Vögel, kleine Säugetiere und Insekten leben in den Höhlen, in den abgebrochenen Ästen, unter der Rinde und tief im Holz. Auf Totholz spezialisierte Arten finden hier nicht nur Zuflucht, sondern sie sind zur Ernährung darauf angewiesen. Totholz fördert die Bodenbildung. Ist es einmal ganz zersetzt wird es zu Humus. Hangrutschungen, Erosion, Lawinen und Steinschlag können vermieden werden. Damit trägt es auch langfristig zum Klimaschutz bei.

 

Wir machen uns abhängig vom Holzmarkt

Im Übrigen begibt sich die Stadtgemeinde Tulln mit der Errichtung dieser Anlage in die Hände des Holzmarktes, der starken Schwankungen unterworfen ist, anstatt sich mit erneuerbarer Energie abzusichern. Der Hamburger Stadtsenat hat vor zwei Jahren sogar erwogen, große Mengen an Buschholz aus Namibia zu importieren, da die eigene Produktion nicht ausreichte. Seitdem ist die Nachfrage an Brennholz noch weiter angestiegen, wenn nicht sogar explodiert. Wenn die Stadtgemeinde Tulln nun mit einem Holzkraftwerk auf den Markt tritt, das in etwa so viel Holz wie 250 Haushalte verbrennt, dann werden jene Abnehmer:innen, die bisher Tullner Holz bezogen haben, andere Quellen für ihr Holz finden müssen. Das Delta zwischen Bedarf und Eigenproduktion wird daher in Zukunft deutlich wachsen, weshalb mehr Holz fragwürdiger Herkunft importiert werden wird.

 

Feinstaub und andere Risikofaktoren

Auf dem Gemeindegebiet wird bei Errichtung der Anlage in Zukunft mehr Holz verbrannt werden, weshalb die beim Transport und bei der Verbrennung entstehenden Schadstoffe (Abgase, Feinstaub etc.) weiter steigen werden. Die Verbrennung von Holz zur Gewinnung von Strom und Fernwärme verursacht derzeit rund 44 % der Stickstoffoxidemissionen des Sektors Energieaufbringung und ist somit auch hinsichtlich Luftqualität nicht nachhaltig. Die Anlage soll laut der Tullner Volkspartei 1,7 MWh pro Jahr erzeugen – dabei kann es sich nur um einen Rechenfehler handeln, denn wenn pro Jahr um EUR 250.000,- Holz gekauft werden soll, dann muss von der 1000-fachen Menge an erzeugtem Strom ausgegangen werden.

Doch selbst dann wäre die Errichtung von Windrädern sinnvoller, denn diese sind pro erzeugter Kilowattstunde Strom nicht nur günstiger, sondern kommen auch ohne die Anschaffung von Brennstoffen aus und sind somit im Betrieb deutlich unkomplizierter und umweltfreundlicher. Wenn die ÖVP NÖ nächstes Jahr (2023) nach der Wahl also endlich ihre Blockadehaltung gegenüber Windrädern aufgeb

 

Die Forderungen der Grünen Tulln

Die Grünen Tulln haben daher die Anträge gestellt, statt dem Holzkraftwerk Windräder zu bauen, sobald dies möglich ist. Weiters beantragten wir, dass ausschließlich nachhaltige und regionale Holzquellen herangezogen werden, sollte das Kraftwerk gebaut werden. Zur Verbesserung der Transparenz wurde außerdem beantragt, dass die Gemeinde dokumentiert, woher das Holz kommt und unter welchen Bedingungen es geschlägert wurde.

Alle Anträge wurde von der Tullner Volkspartei abgelehnt – ein Interesse an Umweltschutz besteht bei dieser offenbar nur, wenn dies einfach und unkompliziert möglich ist. Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind dagegen nicht erwünscht. Dass bei der Kalkulation außerdem Rechenfehler (Faktor Tausend) passiert sind, hinterlässt dabei kein gutes Bild über dieses Projekt.

 

Quellen:

https://www.klimareporter.de/images/dokumente/2021/02/ScientistLetter_WoodBurning_2021.pdf

https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/REP0493.pdf

 

Bernhard Granadia

Fraktionssprecher
Umweltgemeinderat

Bezirksverantwortlicher

[email protected]
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