Carport PV-Anlage auch in Tulln?
Star Movie überdacht in Oberösterreich Parkplätze mit PV - auch in Tulln?
Die Grünen des Bezirk Tulln und das Star Movie Tulln können mit dem Projekt GRÜNSTREIFEN auf eine jahrelange erfolgreiche Kooperation zurückblicken. Seit 2022 deckt das Tullner Kino 50% seines Jahresverbrauchs durch eine großfläche Photovoltaik-Anlage. Im Februar 2023 präsentierte das oberösterreichische Familienunternehmen am Standort Regau nun sein „Sonnenkraftwerk“ – die größte PV-Carport-Anlage Oberösterreichs. Versiegelte Flächen zur Energiegewinnung zu nutzen ist ein wichtiges Puzzlestück am Weg zur Energiewende. Die Versiegelungsvizemeisterin Österreichs – Niederösterreich – hat ausreichend geeignete Flächen dafür im Talon. Wäre ein solches Projekt auch in Tulln umsetzbar?
Johannes Scholz hat für DIE GRÜNEN TULLN bei Geschäftsführer Hans-Peter Obermayr nachgefragt.
Johannes Scholz:
Das österreichische Freizeitunternehmen Star Movie hat an seinem Kinostandort Regau die Parkplätze mit Photovoltaikpaneele überdacht. Warum?
Hans-Peter Obermayr:
Wir durchlaufen seit 2009 ein permanentes Energiesparprojekt. 2015 begannen wir unsere Dächer schrittweise mit PV-Anlagen vollständig zu belegen. Dadurch und durch rund 25% eingesparte Energie können wir mit 31.12.22 bilanziell bereits rund 60% des Jahresstrombedarfs der sieben Kinostandorte selbst produzieren. Als Kinobetrieb brauchen wir, ob wir wollen oder nicht, eine ausreichende Anzahl an KFZ-Stellplätze, um attraktiv für einen Besuch zu sein. Dadurch mussten Flächen versiegelt werden. Mit den PV-Carports nutzen wir diese Flächen nun doppelt. Einerseits zum überdachten Parken, andererseits zur Produktion von Ökostrom.
Johannes Scholz:
Wie viele Parkplätze wurden überdacht und wie viel Strom wird produziert?
Hans-Peter Obermayr:
In Regau haben wir 168 bestehende KFZ-Stellplätze mit 540 kWp Modulleistung überdacht. Gemeinsam mit der bereits 2020 fertig gestellten Dach-Photovoltaikanlage sind nun 790 kWp Leistung am Gelände installiert. Wir produzieren damit jährlich rund 750.000 Kilowattstunden grüne Energie, was dem dreifachen Verbrauch des Kinocenters bzw. jenem von bis zu 500 Haushalten entspricht. Die so überdachten Gratis-Parkplätze sind ein zusätzlicher Benefit für unsere Kinogäste.
Johannes Scholz:
Vor welchen Herausforderungen standen Sie bei der Umsetzung des Projektes? Wie lange dauerte es von der Idee bis zur Umsetzung?
Hans-Peter Obermayr:
Eine PV-Anlage am Dach zu installieren ist im Gegensatz zu einer Parkplatz-Anlage sehr simpel. Spielt die Statik und der Netzbetreiber mit, sind die Paneele schnell am Dach einsatzbereit. Bei einem Parkplatzsonnenkraftwerk in der Größe wie in Regau muss der lokale Ortsnetztrafo ausreichend Leistung aufnehmen können. Tut er dies nicht, muss er umgebaut oder getauscht werden. Dann wird es sehr teuer und das Projekt wird aus Kostengründen meist zu verwerfen sein. Zudem muss man das Projekt baugenehmigen lassen, zahlreichen Brandschutz- und Naturauflagen beachten, bevor es los geht. Es gibt viele, viele Details, die im Zuge der Projektentwicklung aufkamen. In Summe haben wir fast ein Jahr Vorlaufzeit von der Idee bis zum Baubeginn gebraucht. Ganz wichtig und projektentscheidend sind die Kosten. Parkplatz-PV kosten pro installiertem kWp fast doppelt so viel wie am Dach. Hier muss man daher wirklich alles optimieren damit sich die Anlage wirtschaftlich darstellen lässt und keine Liebhaberei wird. Viel Mut und Idealismus ist dabei weil man die Strompreise der Zukunft nicht vorhersagen kann.
Johannes Scholz: Welche Rahmenbedingungen sollten verbessert werden um verstärkt Parkplätze mit Photovoltaikpaneele zu überdachen?
Hans-Peter Obermayr:
Ganz klar eine Verbesserung des Förderwesens. Wir haben bisher bei drei Runden des OEAMAG-Bieterverfahrens mitgemacht und leider jedes Mal zu hoch geboten. Bis heute verfügen wir daher über keine Förderzusage, sondern bauen auf gut Glück. Wenn die Politik die wichtige Ressource der versiegelten Parkplatzflächen für Sonnenstromproduktion großflächig nutzen will braucht es mindestens 300 Euro pro kWp Fixförderbetrag.
Johannes Scholz:
Beabsichtigen Sie auch an anderen Standorten über den Parkplätzen Photovoltaikanlagen zu errichten?
Hans-Peter Obermayr:
Wir bauen seit 6.3. am Standort Ried im Innkreis eine weitere PV-Carportanlage mit rund 320 kWp und beginnen im Sommer mit unserer größten Anlage in Wels. Diese wird 700 kWp Leistung bringen. Für Tulln sind wir in den ersten Überlegungen. Wenn der Netzbetreiber uns anschließen lässt, möchten wir auch in der Gartenstadt investieren und so unsere 110 kWp Dachanlage am Parkplatz ergänzen.
Ziel ist bis Ende 2024 bilanziell pro Jahr drei mal so viel Ökostromstrom zu produzieren wie wir verbrauchen.
Johannes Scholz:
Vielen Dank für das Interview!