TUNNELBLICK ASFINAG-Märchen Nummer 2
Das Märchen von den 20.000 neuen Arbeitsplätzen
Der Bau der Lobauautobahn wird als notwendiges Infrastrukturprojekt für das 21. Jahrhundert verkauft. Die Debatte darüber wird oft als Konflikt zwischen „Fortschritt“ und „Umweltschutz“ inszeniert. Es ist Zeit, die Debatte von einer rein ökologischen auf eine wirtschaftliche Ebene zu heben.
Wer die Baukosten von mehreren Milliarden Euro betrachtet, erkennt schnell: Dieses Projekt eine klassische Fehlinvestition. Der versprochene Wirtschaftsmotor ist ein relativ kurzfristiger Boost für die Bauindustrie. Minister Hanke spricht gerne über 20.000 neue Arbeitsplätze, die durch die S1 entstehen. Tatsächlich entfällt der größte Teil davon auf die Bauphase. Sind die Baufirmen einmal weg, bleibt ein kleiner Rest an schlecht bezahlten Arbeitsplätzen im Transportgewerbe. Oft sind die „neuen“ Arbeitsplätze nur verlagert. Es hat sie in der Region vorher schon gegeben, nur woanders.
Die Lobauautobahn wird den Speckgürtel und somit den Pendlerverkehr anwachsen lassen. Im Umland werden kleine Strukturen im Handel durch große Einkaufszentren ersetzt. Diese sind dann schlecht mit den Öffis zu erreichen und meist gar nicht mit dem Rad oder zu Fuß. Das heißt man muss mit dem Auto fahren. Das Projekt fördert somit die Abhängigkeit vom Auto und das kostet Geld.
Entlang von Autobahnen entstehen schnell große Logistikunternehmen und Lagerhallen mit jeder Menge Zubringerverkehr. Die Zahl der Arbeitsplätze, die langfristig dort geschaffen werden, wird gerne übertrieben. Tatsächlich sind moderne Lager immer vollautomatisiert und computergesteuert. Menschen findet man dort nur wenige.
Studien belegen: Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs schafft deutlich mehr lokale Arbeitsplätze pro investiertem Euro. Es wäre auch wirtschaftlicher, einen Teil der Milliarden für Radwege und den öffentlichen Wohnbau auszugeben. Damit würde das gesamte Baugewerbe, auch kleinere Firmen, gestärkt und gleichzeitig dringend benötigter Wohnraum geschaffen. Statt an der ineffizientesten Form des Gütertransports dem LKW festzuhalten, sollte in die Logistik auf der Schiene investiert werden.
Wie wichtig es ist, dass wir uns selbst mit guten Lebensmitteln aus der Region versorgen können, hat die Pandemie gezeigt. Laut Wirtschaftskammer Wien werden für den Ausbau der Gewerbeflächen entlang der S1 890 Hektar wertvolles Ackerland versiegelt – das entspricht etwa 1.200 Fußballfeldern. Und das zusätzlich zu den 130 Hektar, die dem Bau der Autobahn zum Opfer fallen!
Die wirtschaftlichen Auswirkungen enden auch nicht bei den Baukosten. Die Folgekosten durch Lärm und Luftverschmutzung sowie durch die langfristige Zerstörung des Bodens werden in den Bilanzen der Befürworter ignoriert. Diese Kosten verschwinden jedoch nicht; sie werden lediglich auf das Gesundheitssystem und die Steuerzahler abgewälzt. Ein intakter Naturraum wie die Lobau ist ein Standortvorteil für die Lebensqualität – ihn zu gefährden, ist ökonomischer Raubbau.
Die Lobau-Autobahn ist also ein massives finanzielles Risiko und eine Wette gegen die Klimaziele von Paris. Wer heute Milliarden in fossile Infrastruktur steckt, riskiert, dass diese Investitionen in zehn Jahren zum Boomerang werden. In einer Zeit, in der wir Flexibilität und Innovation brauchen, zementiert die Lobauautobahn ein Modell der Vergangenheit.