3. Eichgrabner Zukunftsgespräch
Gute Ortsentwicklung braucht ein klares Konzept und echte Bürger:innen-Beteiligung
Großes Interesse, angeregte Diskussionen und zahlreiche konkrete Ideen für die Zukunft Eichgrabens prägten das 3. Zukunftsgespräch der GRÜNEN Eichgraben in der Alten Gärtnerei. Unter dem Titel „Herausforderung Ortsentwicklung – Wie können wir Eichgraben gemeinsam gestalten?“ diskutierten vier Expert:innen gemeinsam mit vielen engagierten Bürger:innen über Chancen, Herausforderungen und notwendige Schritte für eine nachhaltige und lebenswerte Entwicklung der Gemeinde.
Die gemeinsame Erkenntnis: Wirkungsvolle Ortsentwicklung braucht eine klare Strategie und ein langfristiges Konzept, aufbauend auf fundierter Analyse der Stärken und Schwächen der Gemeinde und Region. Offene, transparente und pro-aktive Beteiligung der Bürger:innen sei dabei essenzieller Erfolgsfaktor: „Langjährige Erfahrung zeigt: Ortsentwicklung gelingt primär dann, wenn eine Gemeinde bewusst und kontinuierlich die Menschen im Ort mit einbindet – auf Augenhöhe“, so der Eichgrabner Raumplaner Robert Korab. In Eichgraben gäbe es großen Bedarf für mehr Transparenz im Austausch mit den Bürger:innen, so der einheitliche Wunsch der Anwesenden. Konkret vorgeschlagen wurden ein Gestaltungsbeirat sowie ein regelmäßig eingebundener Bürger:innen-Beirat.
Zahlreiche gute Ansätze für Verbesserung der Lebensqualität im Ort
Geschätzt werden die vielfältigen Vorteile des Ortes – allen voran intakte Natur, hervorragende Anbindung an öffentlichen Verkehr, breite Angebote für Sport und Kultur, und wertvoller Bau-Bestand im Ort. Als wesentliche Problemfelder werden mangelnde Verkehrsberuhigung entlang der Hauptstraße und der B44, fehlendes Leerstandsmanagement speziell im Ortszentrum, die zunehmende Abwanderung wichtiger Angebote an den Ortsrand und die fehlende Wertschätzung für Fahrradverkehr und Fußgänger:innen empfunden.
Als – teilweise auch kurzfristig umsetzbare – Ideen wurden vorgeschlagen: Neue Begegnungszonen, mit Verkehrsberuhigung und Begrünung, speziell rund um die von vielen Menschen genützten Bereiche wie Schule, Kindergarten, Gemeindezentrum oder Bahnhof. Auch eine Optimierung der Fahrrad- und Fußwege, mit klarer, auch farblicher bzw. baulicher Abgrenzung vom Straßenbereich, sei dringend gefragt. Neue Mobilitätsangebote mit höherer Frequenz werden benötigt, insbesondere für die Anbindung an die ÖBB. Gewünscht werden auch ein Ausbau der Nahversorgung sowie aktives Leerstandmanagement bei den zahlreichen „Bauleichen“ im Ort.
Im Brennpunkt: Bürger:innen wollen besser eingebunden werden
Als „roter Faden“ zog sich der Ruf nach besserer Beteiligung der Menschen im Ort durch den Abend. Für die anwesenden Expert:innen – die Purkersdorfer Stadträtin und Raumplanerin Sabina Kellner, Stadt- und Raumplaner Robert Korab, Architekt Erwin Stättner und Nationalratsabgeordnete Elisabeth Götze – sind unisono offene, ehrliche Information auf Augenhöhe und klar im Gemeindeleben verankerte Beteiligungsmodelle wichtige Voraussetzungen für wirkungsvolle Ortsentwicklung. Von den Eichgrabner:innen wurden Modelle wie ein Gestaltungsbeirat bzw. ein Bürger:innenbeirat gewünscht.
„Eine Gemeinde wie Eichgraben muss nicht alles selber neu erfinden. Es gibt hervorragende Beispiele in vielen österreichischen Gemeinden – von Bürger:innenbeteiligung bis zu mutigen Lösungen für Verkehrsberuhigung, auch auf Landesstraßen. Hier empfiehlt sich der intensive Austausch mit anderen Gemeinden“, weiß der Eichgrabner Architekt Erwin Stättner. Vom vorbildlichen Ansatz in Dänemark berichtet Stadträtin Sabina Kellner: „Die 8 / 80-Regel liefert einen wertvollen Rahmen für Raum- und Ortsentwicklung: Diese muss so gestaltet werden, dass sich ein 8-jähriges Kind und 80-jährige Senior:innen gleichermaßen sicher fortbewegen und wohlfühlen können.“
„Wir werden die zahlreichen Ideen aufbereiten und der Gemeinde als Anregung für die weitere Ortsentwicklung vorlegen“, erklärt die GRÜNE Sprecherin Elisabeth Götze. „Ortsentwicklung geht uns alle an. Wir sehen den starken Wunsch für Bürger:innen-Beteiligung und Information auf Augenhöhe als wertvollen Auftrag für unsere weitere Arbeit und bleiben ganz sicher am Thema dran!“ Bedauerlich sei, dass trotz persönlicher Einladung lediglich ein Gemeinderatsmitglied anderer Fraktionen, Gemeinderätin Martina Mayerl, am Zukunftsgespräch teilgenommen habe. „Es braucht mehr Mut zum gemeinsamen Nachdenken für Eichgraben, und mehr Bereitschaft, die eigenen Vorstellungsgrenzen zu überspringen, um Eichgraben im breiten Austausch in Richtung Zukunft zu bewegen“, so Elisabeth Götze.