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27.02.2026 Information

Vor dem Vorhang: Petra Forman

Eigentlich hat Petra Forman immer schon den Drang zum Malen gehabt, sie ist nur so selten dazu gekommen. Kein Wunder bei einer Familie mit drei, mittlerweile erwachsenen Töchtern, einem Riesenhaus mit Riesengarten plus Swimmingpool und einem Job in der IT-Branche als Chefin von 25 MitarbeiterInnen in der Wien-Dependance einer Berliner Big-Data-Firma. Deshalb hat es ein bisschen gedauert mit ihrem Durchbruch als Malerin.

 

„Ursprünglich“, erzählt Petra Forman in ihrem Haus in Eichgraben, „habe ich für meine Wände begonnen zu malen, ich wollte einfach schöne Bilder an der Wand sehen und habe mir die selber gemalt. Und weil man als Mutter eigentlich nie frei hat, habe ich immer nebenbei gemalt, mehr oder weniger hobbymäßig, wenn Zeit war wie in der Karenz.“ Doch dann wurde Petra Forman von einer rätselhaften Krankheit heimgesucht, die ihr das Malen verdarb. Ein Unheil, das mit dem Umzug der Familie von Wien nach Eichgraben vor 23 Jahren zusammenhing, in das prächtige Haus, von dem aus die Kinder die Schulen rundherum besuchten.

 

Petra Formans Lunge meldete sich krank, schwer krank. Was man im CO2- und Feinstaub verseuchten Wien eher erwartet hätte, passierte an einem paradiesischen Flecken des Wienerwalds, der sich für sie in einen Infektionsherd verwandelte: „Das Haus ist auf drei Seiten von Bäumen umgeben und die Blätter fallen im Herbst auf unser Grundstück. Wir haben das Laub natürlich weggeräumt und ich habe zehn Jahre lang Lungenentzündungen bekommen mit Bluthusten und wusste nicht warum. Jedes Jahr im September bin ich im Spital gelandet, wobei mit dem Bluthusten natürlich auch der Verdacht auf Tuberkulose oder Krebs aufkam. Es war grauenhaft.“ Erst nach 10 Jahren hat dann ein Spezialist für seltene Lungenerkrankungen die richtige Diagnose gestellt: allergische bronchopulmonale Aspergillose, die durch eine Überempfindlichkeitsreaktion auf den Schimmelpilz Aspergillus fumigatus ausgelöst wird. Es waren also Pilzsporen, auf die Petra Forman so allergisch reagierte, was zu Lungenentzündungen und Husten mit Hämoptyse zu dauerhaften Lungenschäden führt. Die Folge war 2012 eine sechsstündige Operation, bei der das abgestorbene Lungengewebe und eine Kaverne in der Lunge entfernt wurde.

 

Seit damals meidet Petra Forman den Herbst im Wiener Wald, aber die Familie ist nicht weggezogen, wie geplant, sondern hat die Palette ihrer Standorte erweitert: die Künstlerin bezieht in dieser Zeit lieber das malerische Sommerhäuschen in Neudörfl, Burgenland, an einem Badeteich oder das echt lungenschonende Anwesen auf der Insel Korcula in Kroatien direkt am Meer.

 

In der Zwischenzeit hat es Petra Forman geschafft, sich trotz Familie, stressigem Beruf und lebensbedrohlicher Krankheit von einer Hobbymalerin zu einer international renommierten, mit Preisen in Berlin, Mailand oder Barcelona dekorierten Künstlerin zu wandeln. Die Palette ihrer Ausstellungen reicht mittlerweile von Wien über Venedig, Mailand, Rom, Dubrovnik bis nach Paris und London. Zusätzlich hat sie ein Masterstudium für General Management in Wien absolviert und schließt gerade noch ein Postgraduate Masterstudium „Art & Economy“ an der Universität für Angewandte Kunst in Wien ab. Denn Petra Forman malt nicht nur, sie kuratiert auch Ausstellungen und managt Kunst.

 

In der Hauptsache aber hat Petra Forman eine originäre Malkunst entwickelt, deren Markenzeichen die auffälligen, faszinierenden, meist in strenge Halskorsette gezwängten Frauenköpfe sind. Die Bilder nehmen sich aus wie die malerische Entdeckung von einer Art Archetyp der modernen Frau mit ihren scheinbar undurchdringlichen Masken. „Ich erforsche“, erklärt Petra Forman auf ihrer Homepage, „was unter der Oberfläche liegt. Speziell in meiner Serie der Frauenköpfe ziele ich darauf ab, das Unausgesprochene sichtbar zu machen – Gefühle, Erinnerungen und innere Zustände. Ich kreiere Gesichter, die von Verwundbarkeit, Kraft und Identität künden. Und da geht es auch darum, dass Frauen nach außen Stärke vermitteln müssen, dass sie funktionieren müssen, in Wirklichkeit aber schwere Probleme mit sich tragen, was nach außen nicht sichtbar sein soll.“

 

Doch Petra Forman legt in ihren Bildern eine geheimnisvolle Spur zu diesen inneren Zuständen, denn ein Kennzeichen dieser Frauenköpfe sind rätselhafte, ganz feine Texturen, die sich über ihre Gesichter ziehen und erst sichtbar werden, wenn man ganz nahe an die Bilder rangeht. Sind das die Risse in der Maske, die Abgründe des Lebens dahinter vermuten lassen? Die Künstlerin lässt das offen und will keinerlei „Anspruch auf Bedeutung“ erheben. Für sie handelt es sich um „Marmorierungen“, die mehr oder weniger ihr Lungengewebe darstellen: „Ich habe ja viele Jahre die Röntgenbilder meiner Lunge angesehen, die sind auch so marmoriert.“ Und so ist es gekommen, dass die Pilzsporen, die Petra Forman beinahe ins Grab gebracht haben, in Kunst transformiert wurden und Menschen in Galerien quer durch Europa faszinieren.

 

Doch damit ist die Kunst der Petra Forman noch lange nicht erschöpft. Im Gegensatz zu den Frauenköpfen brilliert sie auch in abstrakter Kunst, in deren Zentrum die Natur steht. Es sind großflächige, beeindruckende Arbeiten, in denen die Natur eingefangen ist: „Ich habe in meinen Bildern Steine und rote Erde von Kroatien eingearbeitet. Diese Bilder sind immer haptisch, man will sie berühren. Ich brauche diese Natur und auch das Meer vor unserem Haus, das Türkis von Korcula, ja, einfach Natur einbauen in meine Bilder., Ich habe ein Bild gemacht, in dem eine gefundene Koralle von Kroatien steckt.“

 

Petra Forman hat vor einigen Jahren ihren Job gekündigt: „Es ist nicht einfach von der Kunst zu leben, aber mir ist es doch gelungen und es freut natürlich, dass meine Arbeit so viel Resonanz findet. Aber dahinter steckt viel Fleiss und Arbeit, die belohnt wird, wenn via Mail Kaufanfragen kommen und  von der Homepage weg Bilder geordert werden, ohne dass ich eine Ausstellung machen muss.“

 

Bleiben zum Schluss wie immer noch zwei Fragen in dieser Serie „Vor dem Vorhang“: Was gefällt der Künstlerin hier in Eichgraben? „Es ist schön hier, der Wald und die Hügel. Es wohnen auch viele spannende Leute hier. Und ich erinnere mich gerne an die Zeit, als die Kinder hier aufgewachsen sind.“ Und was könnte man hier besser machen? „Mehr Gemeinschaft! Ich habe das Gefühl, dass sich ein Riss durch Eichgraben zieht.”