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am 5. Dezember

Missstände in NÖ Kinder- und Jugendheimen

Die Redaktion - Am 8. Oktober 2017 wurden wir auf ein Facebook-Posting eines Psychotherapeuten aufmerksam. Er bat um Hilfe für einen Jugendlichen, der aus seiner Jugendeinrichtung verwiesen und nun obdachlos geworden sei. Zeitgleich mit uns wurden auch ÖVP und SPÖ um Hilfe gebeten. Wir waren jedoch die einzigen, die den Hilferuf ernstgenommen und auf ihn reagiert haben.

„Das war der Beginn einer Recherche, die Verdachtslagen zutage bringt, die ich nun von den zuständigen Verwaltungs- und Justizbehörden lückenlos aufgeklärt wissen will. Bei Kinder- und Jugendschutz gibt es keine Kompromisse. Ich sehe Versagen der Landesregierung und der Justiz bis heute“, so unsere Landessprecherin Helga Krismer.

Helga Krismer hat am 04. Dezember 2017 eine Sachverhaltsdarstellung (siehe Sidebar "Zum Download") an die Staatsanwaltschaft und alle zuständigen Verwaltungs- und Bezirksbehörden in Niederösterreich übermittelt.

Zu dieser nimmt sie im Rahmen folgender Pressekonferenz Stellung: 

Pressekonferenz Helga Krismer betreffend Misshandlungen in Kinder- und Jugendeinrichtungen

Pressekonferenz am 4.12.2017 - Verdacht auf Misshandlungen in Kinder- und Jugendeinrichtungen in Niederösterreich. Helga Krismer, Landessprecherin und Klubobfrau der Grünen NÖ übermittelte heute eine …

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UNVORSTELLBARE ZUSTÄNDE

Man soll sich auf Jugendliche gekniet und sie fixiert haben, bis sie sich angepinkelt hätten. Man soll ungehorsamen Kindern die Haare geschnitten haben. Man soll sie mit dem Gewand unter die kalte Dusche gestellt haben, um sie anschließend so lange stehen zu lassen, bis die Kleidung von selbst getrocknet sei. Man habe ihnen nicht nur das Handy, sondern auch ihre letzte Würde genommen. Man habe sie vor anderen gedemütigt. Sie isoliert. Man soll sie ohne Schuhe oder Jacke im Winter in die Schule geschickt haben. Wenn sie weglaufen wollten, dann hätten sie das in Unterhosen tun müssen. Das alles berichtet nun ein Betreuer.

KINDER WIE VERBRECHER BEHANDELT

Wurden die Kinder oder Jugendlichen nicht unter Kontrolle gebracht, sollen Medikamente eingesetzt worden sein. Auch mit erhöhten Dosen, wenn das als nötig empfunden wurde. Ungehorsame Kinder würden wie Verbrecher behandelt. BetreuerInnen, die das anprangern, sollen gefeuert werden oder gehen freiwillig. Ex-MitarbeiterInnen sollen so in Misskredit gebracht werden, dass sie es schwer haben würden, einen neuen Job zu finden.

„Die Erzählungen von Opfern und Ex-MitarbeiterInnen lassen mich erschauern. Es sind viele. Und ich glaube ihnen. Die Opfer sind entweder schon seit sie ein Baby sind in den Einrichtungen, werden von Heim zu Heim geschoben, kommen minderjährig aus zerrütteten Familien oder haben ihre ganze Familie verloren“, schildert Helga Krismer.

DAS SYSTEM IST DAS PROBLEM, NICHT DIE KINDER

Nichts kann derartige Behandlungen, die als Verdachtslagen im Raum stehen, rechtfertigen. Die Kinder werden aufgrund ihrer Vorgeschichte als Problemkinder abgestempelt. Aber nicht die Kinder sind das Problem. Es liegt am System. Zu wenig Personal und vor allem zu wenig fachlich gut ausgebildetes Personal wird offensichtlich für derartige Einrichtungen eingestellt. Die Kontrollen des Landes können nicht funktionieren. Nicht bei diesen Zuständen.

Und mutige AufdeckerInnen, die sich trauen, Missstände aufzuzeigen und Verantwortliche zu enttarnen, werden denunziert und vernadert. Das ist typisch für das veraltete System, das in Niederösterreich herrscht. Wollen wir wirklich so mit Menschen umgehen, die den Mut haben, der Öffentlichkeit ihre Geschichte zu erzählen und so auf Missstände aufmerksam zu machen?

WO SIND ÖVP UND SPÖ?

Seit mehr als einer Woche sind alle zuständigen Regierungsmitglieder mittels parlamentarischer Anfrage (siehe Sidebar "Zum Download") von Helga Krismer in Kenntnis der Lage. Darüber hinaus sind wir darüber informiert, dass das Landhaus von allen Vorwürfen stets wusste und nicht handelte.

„Ich verlange daher volle politische Verantwortung! Kinder und Jugendliche werden zwischen ÖVP Wilfing und SPÖ Schnabl zum Spielball und niemand reagiert. Und Frau Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner schweigt, wenn es um Haltung geht: Egal ob wir einen Pflegeskandal in Kirchstetten haben, egal ob sich ein asylwerbendes Kind umbringt und egal ob Jugendliche misshandelt werden. Und ich bin bei den Ankündigungen von SPÖ Landesrat Schnabl sehr skeptisch, die SPÖ NÖ hat in unserem Bundesland noch nie für Aufklärung gesorgt, man denke nur an die Dr. Erwin-Pröll-Privatstiftung“, so Krismer abschließend.​

Medienberichterstattung zu der Causa