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07.04.2022 Gemeinde-News

Vom Rad­fah­ren und auch sonst

dies und das ... vom Radfahren und auch sonst

Dieser Tage hatte ich eine sehr schöne Zahl auf meinem Fahrradcomputer aufleuchten: 11.111km. Das sind die Gesamt km, seitdem ich das Auto, welches ich für den Arbeitspendelverkehr besorgt hatte, verkauft und mir dann ein E-Bike zugelegt hatte, um damit nach Korneuburg an meine Arbeitsstätte zu pendeln. Das ist nun fast 3 Jahre her.

 

Ungefähr 8.000 Pendlerkilometer sind es pro Jahr, um in meine Arbeit zu kommen. 4.000 km davon fahre ich mit dem Bike. Nicht jeder Kilometer ist purer Genuss, doch ein wesentliches Credo lautet: Gesundheitsvorsorge. Der vielfach sitzende Beruf macht den Körper steif. Da will etwas gemacht sein. Regelmäßig, damit es auch wirkt.

Während so einer Fahrt gibt es viel zu sehen, die Gedanken machen sich im meisten Falle selbständig und priorisieren sich, also unwesentliches Zeugs, ein Haufen Gedankenmüll, verdrückt sich und mir wichtige Dinge drängen nach vorne. Und das von ganz alleine. Was für ein Gewinn! 😉

Während der Fahrten nehme ich ganz unmittelbar wahr, wie sich die Weinviertler Natur verändert, wie sie die gereifte Frucht präsentiert, in den Winterschlaf übergeht, sehr langsam wieder aufwacht um uns dann in voller Pracht ein paar sensationelle Monate der Üppigkeit zu bieten, wo alles steht und reift und im Winde wogt und die Landschaft mit einem Saum von Schönheit überzieht dass es a Freid is.

 

On the road, das ist das Beste

überhaupt!

Aber: Es gehört eine gehörige Portion Abgebrühtheit zu einer solchen Fahrt dazu. In einer scheinbar abgeklärten, fast schon unsympathisch selbstgefälligen Weise fahre ich an Tierleichen vorbei, die zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort, auf der Straße ihr Leben lassen mussten. Es sind Hasen, verschiedene Vögel und Gefiedertier, Igel, Kleintiere aller Art und Rehe, von denen nur mehr durch die Kollision mit dem Auto eingefärbte bräunliche Flecken übrigbleiben.

 

So ist das halt. Pragmatismus: Das vom Menschen definierte Leben, wo es hingehen soll, der Fortgang und die Entwicklung der Menschheit, fordert eben seinen Tribut. Ist wohl so. Ist wohl so? Ich weiß nicht. Ich fahre an Sportstätten entlang. Es zeigt sich ein emsiges lebhaftes Treiben. Es wird trainiert, es wird gelaufen. Sehr schön zu sehen. Gesundheit, Atmen, Natur, ja das kann was. Am Parkplatz stapeln sich beinahe die Autos derer, die sich da sportlich tummeln und bewegen. Die Selbstverständlichkeit in ein Auto zu steigen, um damit kürzeste Strecken zu bewältigen, fehlt mir grundsätzlich. Die Mitbeteiligung am Weltklima ist für jeden Einzelnen eine aber auch scheinbar völlig zu vernachlässigende Größe, oder? Kaum messbar. Was bedeutet schon mein ökologischer Schuhabdruck, eine kurze Strecke mit dem Auto gefahren, im Verhältnis zu den Schiffsungetümen, die auf dem Weg über die Ozeane Güter, Zeugs und Dinge zu uns bringen, die wir brauchen oder auch nicht, die auf diesem Weg so viel tonnenweise schweres Erdöl verbrennen und die Luft und die Meere verpesten, dass wir ewiglich mit dem Auto zur Sportstätte pilgern könnten. Aber leider. Solange wir abladen und die Dinge verwenden sind wir mit von der Partie. Also steigen Sie ein und steigen Sie auf.

 

Unlängst waren meine Arbeits­kolleg*innen, wir hatten ein Meeting, Raum St Pölten, von einer gewissenhaften Weltuntergangsstimmung geprägt. Es war schon beinahe Arbeitsverweigerung. Nach dem Motto, dass die Welt ohnehin morgen, spätestens jedoch übermorgen, untergehen wird, dass dann ohnehin Alles vorbei ist und somit dieses Arbeitszeugs obsolet sei, diese Haltung mündete darin, dass wir das Meeting kurzerhand abbrachen, um dann zum Bauhof einer kleinen Ortschaft nahe St Pölten fuhren und mithalfen, Spenden für geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer entgegenzunehmen. Wenn schon Weltuntergang, dann zuvor noch was Menschliches tun. Einander helfen.

 

Ukraine. Der Krieg. Was soll ich sagen, die nächste Kiste. Was für ein Dilemma. Was für ein unsäglicher und irrsinniger weil unsinniger Krieg. Wer braucht das. Wozu? Doch der Krieg ist da und macht viele von uns völlig kirre.

In Niederkreuzstetten werden neustens Quartiere für von diesem Krieg betroffene flüchtende Menschen gesucht, per Anschlag im Schaukasten der Gemeinde in Niederkreuzstetten. Das nenn ich Willenskundgebung! Aber vor allem Vorausschau, und Vorbereitung. Sehr löblich.

 

Die Welt, und das will der Beitrag wohl meinen, ist nur im Kleinen zu retten.

Reinhard Auer

Gemeinderat

Mobilität am Land mit flexiblen, dichter getakteten ermäßigten öffentlichen Verkehrsmitteln!

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