Heile Männerwelt Niederösterreich
Wir sind empört über diskriminierende Maßnahmen gegen Frauen in NÖ
Wieder einmal wurde eine bedeutende Entscheidung über die Köpfe der Frauen in Niederösterreich hinweg von Männern getroffen. Die Landesgesundheitsagentur (LGA) kündigt die Verträge mit freiberuflichen Hebammen zum Ende März. Das bedeutet, dass eine Frau, die sich für Vor- und Nachsorge eine private Hebamme gewählt hat, die auch ihre Geburt im entsprechenden Landesklinikum leitet, diese nicht als Hebamme mit ins Krankenhaus nehmen kann. Die Hebamme soll als eine andere Begleitperson, wie z.B. der Vater, betrachtet werden. Dies bringt die gezielte Vorbereitung auf die Geburt mit der privaten Hebamme zum Scheitern, entwertet ihre Arbeit und ist ein Angriff auf die Selbstverantwortung und Selbstbestimmung der Frauen! Die Betroffenen empfinden es als Frechheit, wenn die LGA die Auflösung des Vertrags mit den Hebammen aufgrund der allgemeinen Empörung als Missverständnis oder falsche Interpretation bezeichnet.
“Statt die Frauen in ihren individuellen Bedürfnissen zu unterstützen, geht man den genau gegenteiligen Weg! Männer sagen Frauen, was sie tun und wie sie gebären sollen. Sie sind zwar unwissend, aber nehmen sich das Recht heraus, Entscheidungen zu treffen”, sagt Silvia Moser, Gesundheits- und Sozialsprecherin der Grünen NÖ empört. Leider passt diese Entscheidung nahtlos in die “heile” Männerwelt in NÖ. Männer entscheiden über Frauen, insbesondere durch die Landesgesundheitsagentur. Die Vorstandsmitglieder, die Leitungen für Medizin und Pflege, die Geschäftsführungen der Personalservice GmbH und Shared Services GmbH – alles sicher in männlicher Hand! Nur in den Regionen sind drei von fünf Geschäftsführungen mit Frauen besetzt. Ist es ein Zufall, dass zwei Abteilungen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe – in Mistelbach und Waidhofen/Ybbs – von der Schließung bedroht sind? Oder wurden die Abteilungen einfach vernachlässigt? Der Bedarf an Fachärzt:innen für Frauen ignoriert?
Jedenfalls ist es das Ergebnis der jahrzehntelangen konservativen und männerdominierten Politik der ÖVP in NÖ. Postenbesetzungen abseits von Qualifikationen haben auch im Gesundheitsbereich einiges angerichtet, Männerbunde spielen dabei eine wichtige Rolle. Zukünftig noch mehr im NÖ Landtag, wo nur zwei der 23 ÖVP-Abgeordneten Frauen sein werden! Wie soll das die Lebensrealität in NÖ abbilden, fragt sich Moser besorgt. Sie verlangt ausdrücklich, dass die freiberuflichen Hebammen weiterhin Geburten in den Landeskliniken leiten dürfen und entsprechende Verträge geschlossen werden.